Zahlreiche Ehrengäste nahmen am Jahresempfang der Caritas teil. Foto: Reisner

Barmherzigkeit im Mittelpunkt

16.02.2016 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Jahresempfang von Caritas und Erzbischöflichen Dekanat

„Barmherzigkeit“ lautete das Motto des Jahresempfangs des Caritasverbands in Stadt und Landkreis Rosenheim und der fünf Dekanate in Stadt und Landkreis. Erstmals fand dieser gemeinsam statt. Auf die rund 200 Ehrengäste wartete in der Rosenheimer Philip-Neri-Schule der „Markt der Angebote“, in dem die vielfältigen Einsatzgebiete und Angebote von Kirche und Caritas vorgestellt wurden.

Deutlich spürbar wurde bei dieser Veranstaltung die tiefe Betroffenheit nach dem tragischen Zugunglück vor einer Woche. Viele Gespräche drehten sich um dieses Ereignis und auch die Redner beschäftigte dieses schreckliche Ereignis sehr. „Das Zugunglück hat tiefe Wunden in unsere Gemeinschaft geschlagen“, so Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. Sie hoffe für die Überlebenden wie für die Angehörigen, „dass sie den Trost, die Zuwendung und die Zuversicht finden, derer sie jetzt bitter nötig bedürfen.“

Caritas-Kreisgeschäftsführer Erwin Lehmann und Landkreisdekan Daniel Reichel sprachen gemeinsam zu den Gästen. Sie durchdachten den tieferen Sinn des Wortes „Barmherzigkeit“ und stellten die Frage: „Ist Barmherzigkeit in einer Zeit, in der wir täglich von Bürgerkriegen und Terroranschlägen hören, in der sich scheinbar ganze Völker in Bewegung gesetzt haben um ihr Land zu verlassen, überhaupt noch zeitgemäß?“. Was die Gesellschaft oft kalt und unbarmherzig mache, sei die Tatsache, dass in ihr Menschen an den Rand gedrückt werden. Das Signal „Du gehörst zu uns“, sei das aktuelle Werk der Barmherzigkeit.

Trotz der vielen aktuellen Probleme klappe die Zusammenarbeit aller Akteure in Stadt und Landkreis aber gut. Lehmann hob besonders die Zusammenarbeit mit den knapp 2000 Ehrenamtlichen den anderen Wohlfahrtsverbänden und Stadt und Landkreis hervor. Doch auch Caritas und Erzbischöfliches Ordinariat ernteten Anerkennung für die geleistete Arbeit, allen voran von Landrat Wolfgang Berthaler.
Die Flüchtlingsproblematik beschäftigte alle Redner. Gabriele Bauer erinnerte daran, wie sich in den vergangenen Monaten viele Rosenheimer für die Flüchtlinge engagiert haben. „Dies waren Werke der Barmherzigkeit, die mich und viele andere tief bewegt haben“, sagte sie.

Jetzt stehe man an einem Punkt, an dem man sich fragen müsse, wie „wir unserer Verantwortung weiterhin am besten gerecht werden können.“ Im Angesicht der natürlichen Begrenztheit jeder menschlichen Anstrengung und jeder Ressource werde man sich in Zukunft mehr darauf konzentrieren müssen, die Not der Menschen in ihren Herkunftsländern zu lindern und Kriege und Konflikte zu entschärfen.

Auch auf den Begriff „Barmherzigkeit“ ging Gabriele Bauer in ihrer Rede ein. Ohne Barmherzigkeit verkomme Sozialpolitik zu einem reinen Instrument der gesellschaftlichen Reparatur, ohne den empathischen Blick auf den Einzelnen und seine Bedürfnisse. Ja mehr noch, „ohne Barmherzigkeit wären wir nicht in der Lage, echte Not oder neue Formen der Bedürftigkeit zu erkennen und angemessene Mittel zu deren Linderung anzubieten.“
Caritasdirektor Prälat Hans Lindenberger sprach über die größten Herausforderungen des Jahres 2016 aus Sicht des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising. Flucht, Asyl, Migration und Integration zählen da für ihn auf jeden Fall dazu. „Solange Menschen zu uns fliehen müssen, sind wir in der Verantwortung“, betonte er. Ein zweites, wichtiges Thema sei die soziale Benachteiligung im eigenen Land. „Wir müssen gut darauf achten, dass nicht die eine Not gegen die andere Not ausgespielt wird.“
Außerdem sprach Lindenberger auch noch die Alterung der Gesellschaft an. Niemand dürfe im Gemeindeleben „herausfallen“. Der demografische Wandel verlange aber auch, gute Startbedingungen und Lebensbedingungen für junge Menschen zu schaffen: „Gerade eine alternde Gesellschaft muss die jungen Menschen im Blick haben.“ Karin Wunsam

 

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