Angst in der Weihnachtszeit

27.11.2018 • Aktuelles, Kurznachrichten

Frauen- und Mädchennotruf engagiert sich gegen Gewalt

Die Advents- und Weihnachtszeit ist die Zeit der Kerzen und der Friedensbotschaften – und der Weihnachtsmärkte. Die Vorfreude auf Weihnachten, das schöne große Familienfest, leuchtet in vielen Gesichtern.

Was für viele so wohlig und einladend klingt, ist für zahlreiche Frauen aber eine fast unüberwindbare Hürde, so die Erfahrung beim Frauen- und Mädchennotruf Rosenheim. Einige ihrer Klientinnen empfinden den Gang in einen Supermarkt, um die Dinge des täglichen Lebens zu kaufen, bereits als Herausforderung. Sie sind ständig von der Angst begleitet, dass alle sie ansehen, dass alle sehen, was ihnen passiert ist.
In einer Umfrage des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gaben 40 Prozent der befragten Frauen an, körperliche oder sexualisierte Gewalt – oder beides – seit dem 16. Lebensjahr erlebt zu haben.

Vom Frauen- und Mädchennotruf Rosenheim wurden im letzten Jahr 286 Frauen beraten und auch über einen längeren Zeitraum begleitet, die von teils schwerer häuslicher und sexualisierter Gewalt betroffen waren und sind – unter ihnen 14 Frauen mit Behinderung. Der Anteil der Frauen mit Migrationshintergrund liegt in den vergangenen Jahren bei rund 30 Prozent. Die Frauen, die beraten wurden, kamen aus 22 verschiedenen Nationen.
Die meisten Misshandler verbringen viel Zeit damit, ihren Partnerinnen zu vermitteln, was an ihnen alles „falsch“ oder zumindest „nicht gut genug“ ist. Nach und nach setzt sich das vom Misshandler aufgezwungene negative Selbstbild fest, die Abwertungen des „Partners“ brennen sich ein, die Betroffene ist irgendwann selbst davon überzeugt, scheinbar unfähig und wertlos zu sein.

Gehör und Achtung

Jede Klientin bringt ihre ganz eigene Geschichte mit. Jede Klientin ist ihren ganz eigenen Weg gegangen, sich bei uns Hilfe zu holen. Eine Klientin sagt: „Gehört und beachtet zu sein, gab mir ein Gefühl von Kontrolle und Selbstsicherheit, was ich lange nicht mehr gespürt habe.“
Es kostet eine betroffene Frau viel Überwindung, den ersten Schritt in Richtung „Hilfe suchen“ zu machen. Deshalb ist es wichtig, jeder Frau einen Beratungstermin innerhalb einer Woche anzubieten – Beratung und Begleitung sind für unsere Klientinnen kostenfrei.

Seit vielen Jahren engagiert der Frauen- und Mädchennotruf sich mit aller Kraft gegen sexualisierte und häusliche Gewalt an Frauen – und gegen sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen. Außerdem haben wir ein tragfähiges und effektives Präventionsprogramm zum Schutz von Kindern und Jugendlichen aufgebaut. Dieses umfassende Angebot wäre – trotz kommunaler und staatlicher Zuschüsse – ohne die Unterstützung durch Mitgliedsbeiträge und Spenden nicht möglich.

Erreichbar ist der Frauen- und Mädchennotruf Rosenheim unter Telefon 0 80 31/ 26 88 88.

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