Bombenteppich_Vestibule Of The Disaster von Rose Stach. Foto: Felix Weinold

„Ich, Du, wir, die anderen?“

05.12.2017 • Aktuelles, Kultur, Stadt Rosenheim

Ausstellung „Broken Lines_Adidal Abou-Chamat_Jutta Burkhardt_Rose Stach“ vom 8. Dezember bis 21. Januar in der Städtischen Galerie

Verschleierte Balletttänzerinnen, Fliegerbomber statt Floralmuster auf dem Orientteppich oder barbusige Frauen mit Brusthaar – die Ausstellung „Broken Lines_Adidal Abou-Chamat_Jutta Burkhardt_Rose Stach“, die ab dem 8. Dezember bis zum 21. Januar in der Städtischen Galerie Rosenheim zu sehen ist, verwirrt, schockiert, verunsichert und überrascht, denn nichts ist hier unmittelbar das, was es auf den ersten Blick scheint.

In Foto- und Videoarbeiten, Installationen und Zeichnungen untersuchen die drei Künstlerinnen auf ganz unterschiedliche Weise die Herausbildung ethnischer, kultureller und geschlechtlicher Identitäten. Eindrücklich und schonungslos wird gezeigt, wie variabel, brüchig, verletzlich aber eben auch verletzend Identität sein kann. Mit den vielfältigen Mitteln der Kunst offenbart die Ausstellung die soziokulturellen Folgen von Krieg und Gewalt, Rassismus und Sexismus, Flucht und Vertreibung und fragt nach deren Effekten für die Selbst- und Fremdwahrnehmungen der Betroffenen und die Gesellschaft. Mit messerscharfer Ironie und überraschenden Verschiebungen visualisiert Adidal Abou-Chamat in ihren Foto- und Videoarbeiten Vorstellungen und Rollenbilder westlicher Gesellschaften gegenüber fremden Kulturen. Beim Betrachten ihrer Werke wie etwa der ganzkörperverschleierten Balletttänzerin wird dabei nicht zuletzt deutlich, dass man das eine vom anderen niemals klar abgrenzen kann – beides existiert letztlich nur in Relation zueinander.

Jutta Burkhardt führt in ihren Tuschezeichnungen und Installationen die Betrachtenden an die Abgründe des Alltäglichen. Mit ironischer Überzeichnung von Klischees wie etwa dem weiblichen Narzissmus entlarvt sie die Risse im Regelwerk der Konventionen und macht dabei dessen gesellschaftliche Konstruiertheit sichtbar. Rose Stach wiederum verwandelt Alltagsgegenstände wie etwa den Orientteppich in Geschichten. Gelöst aus ihrem ursprünglichen Nutzungszusammenhang, zerschnitten, zersetzt und in neue Kontexte eingearbeitet, hinterfragen die Gegenstände die Funktionsweisen des sozialen Miteinanders und erzählen ergreifend von den alltäglichen Auswirkungen durch Krieg und Gewalt.

Die Öffnungszeiten der Galerie: Dienstag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag, 13 bis 17 Uhr, 6. Januar, 13 bis 17 Uhr. Montags, 24. und 31. Dezember und sonstige Feiertage geschlossen.

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