Auf der Loretowiese parken täglich hunderte Pendler kostenlos.

Ab ins Parkhaus!

02.06.2015 • Aktuelles, Nachrichten, Stadt Rosenheim

Parkgebühren nach 22 Jahren erhöht – Erste halbe Stunde im Parkhaus kostenlos – Künftig Gebühren auf der Loretowiese?

Das Parken in Rosenheim – ein ewig junges Thema ist derzeit wieder in aller Munde. Auslöser dafür war die Entscheidung des Haupt- und Finanzausschusses des Stadtrats, die Parkgebühren zu verändern. Ab dem 1. Juni soll laut dem Willen der Mehrheit der Stadtverordneten das Verhalten der Parker in Rosenheim auf eine bessere Auslastung der Parkhäuser hingelenkt werden.

So wird als Anreiz das Parken dort in der ersten halben Stunde kostenlos sein. Bis zu einer Dauer von 90 Minuten kostet die Nutzung des Parkhauses wie bisher zwei Euro, während es bei einer längeren Parkdauer etwas teurer wird. Jede weitere halbe Stunde kostet danach einen Euro, das Maximum ist bei zehn Euro ab fünf bis 24 Stunden erreicht. Bisher lag hier der Tarif bei sechs Euro. Sonn- und Feiertags kostet das Parken in einem der elf Rosenheimer Parkhäuser nun 2,50 Euro.

Erhöht haben sich die Preise für das Parken am Straßenrand. Die Parkautomaten schlucken nun in der Innenstadt einen Euro anstatt 50 Cent. Bei der Höchstparkdauer von vier Stunden werden nun vier Euro fällig, zuvor waren es 2,50 Euro.
Mit dieser ersten Erhöhung der Parkgebühren seit 22 Jahren sollen verschiedene Ziele erreicht werden: Zum einen natürlich die Finanzierung der Parkraumbewirtschaftung. So kostet allein die Sanierung des Parkhauses unter dem Kultur- und Kongresszentrum schon drei Millionen Euro.

Zum anderen soll der Verkehr vermehrt in die Parkhäuser gelenkt werden, damit die ohnehin oft überlasteten Innenstadtstraßen von der Suche nach Parkplätzen am Straßenrand entlastet werden.

Streitpunkte beim Beschluss, der mit den Stimmen von CSU und Freien Wählern gefasst wurde, waren vor allem die Länge der kostenlosen Parkzeit in den Parkhäusern. Während die SPD eine Verlängerung auf eine Stunde befürwortete um den Anreiz zur Benutzung der Parkhäuser zu erhöhen, lehnte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen das kostenlose Parken generell ab mit der Begründung, dass so der Kurzstreckenverkehr in der Stadt gefördert würde.
Das sensibelste Thema blieb allerdings von einer Entscheidung vorläufig ausgenommen: Eine mögliche künftige Parkraumbewirtschaftung der Loretowiese. Für viele Pendler ist sie die einzige Möglichkeit, das Auto während der Arbeitszeit in der Stadt kostenlos zu parken. Erste Umfragen dazu in den Medien ergaben naturgemäß ablehnende Stimmen der Nutzer des bisher kostenlosen Angebots. Um hier eine Entscheidung zu treffen – denkbar wäre zum Beispiel eine ähnliche Regelung wie bei den Langzeitparkplätzen am Bahnhof, wo die Gebühr einen Euro pro Tag beträgt – hat die Stadt eine mehrwöchige Befragung der Parkenden und auch der Anwohner in Auftrag gegeben, die bereits begonnen hat. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer betonte die Notwendigkeit einer klaren Analyse der genauen Parkgewohnheiten um eine Entscheidung treffen zu können.

Die echo-Redaktion befragte auch Sabrina Obermoser, Geschäftsführerin des Rosenheimer City Managements.
Sie findet die im Stadtrat beschlossene Anhebung der Parkgebühren nach so langer Zeit grundsätzlich angemessen. Allerdings habe man sich bei der Dauer des kostenlosen Parkens im Parkhaus eine etwas umfangreichere Regelung gewünscht: „Wir hätten uns gut vorstellen können, dass man eine ganze Stunde anstelle einer halben im Parkhaus gebührenfrei sein Auto abstellen kann“. Bei der Diskussion um Parkgebühren auf der Loretowiese rät Sabrina Obermoser zu einem sehr vorsichtigen Vorgehen: „Wir sind hier sehr skeptisch, nachdem der Platz von sehr vielen Pendlern genutzt wird. Solange es keine vernünftigen und bezahlbaren Alternativen für diese Gruppe, etwas Park & Ride-Angebote am Stadtrand, gibt, sollte man von Gebühren absehen“.

Natürlich sind höhere Parkgebühren auch für den Einzelhandel ein Thema von großem Interesse. „Wir sind halb glücklich“, so bringt Gerhard Buluschek, Vorsitzender des Rosenheimer Einzelhandelsverbandes, die Meinung seiner Mitglieder auf den Punkt. Nachdem man von den Plänen zur Gebührenerhöhung erfahren hatte, habe man sich als Verband an die Stadt gewandt und sei dann auch in vorbereitenden Gesprächen mit eingebunden worden. Der Einzelhandelsverband akzeptiere die Lösung und habe selbstverständlich auch Verständnis für die Stadt, die scharf finanziell kalkulieren müsse. „Wir hätten uns allerdings gewünscht, dass das Parken im Parkhaus mit einer kostenlosen ganzen Stunde, anstelle der beschlossenen halben Stunde versüßt würde“, so Buluschek. Mit der neuen Gebührenregelung bleibe dennoch das Parken in Rosenheim immer noch einfach und preiswert: Bei einem Aufenthalt bis zu eineinhalb Stunden habe man immer noch den gleichen Preis zu bezahlen, wie vor der Erhöhung. „Also kein Grund, die Innenstadt deshalb für seine Einkäufe zu meiden!“

Das Rosenheimer Chipsystem, mit denen die Rosenheimer Einzelhändler ihren Kunden 50 Cent der Parkgebühren erstattet haben, habe man wegen hoher Abwicklungskosten leider einstellen müssen, bedauert Gerhard Buluschek. Und eine Nachfolgeregelung für dieses Vergütungssystem sei leider auch noch nicht in Sicht: „Derzeit gibt es aus vielerlei Gründen keine technisch ausgereifte, wirtschaftliche Lösung. Aber wir vom Einzelhandelsverband behalten das Thema im Auge“.

Ähnlich wie seine Kollegin Sabrina Obermoser vom City Management rät Gerhard Buluschek bei der Frage des gebührenpflichtigen Parkens auf der Loretowiese wegen der Pendler zur Vorsicht. „Solange sich allerdings die Tarife etwa an den Langzeitgebühren für die Pendlerparkplätze am Bahnhof mit einem Euro orientieren, könnten wir als Einzelhandelsverband gut damit leben!“

Bis zur Beendigung der Umfrage für die Loretowiese werden noch einige Wochen vergehen, da laut Stadtdezernent Thomas Bugl noch auf die derzeit beim G7-Gipfel in Elmau eingesetzten Beamten aus Rosenheim gewartet werde, von denen viele die Loretowiese als Parkplatz nutzen. Deren Ergebnisse werden zu gegebener Zeit den städtischen Gremien mit einem Vorschlag zum weiteren Vorgehen vorgestellt.  Robert Nusser

Related Posts

Comments are closed.

« »