Von 110 auf eine

16.07.2019 • Aktuelles, Kurznachrichten

Grobtrassen des Brenner-Nordzulaufs in der Diskussion

Vor vier Jahren starteten DB und ÖBB mit den Planungen für eine Neubaustrecke zwischen dem Tiroler Inntal bis vor die Tore Münchens und starteten begleitend dazu einen Dialog mit Bürgern und Kommunen. Schritt für Schritt ermittelten die Fachplaner Bereiche, die für eine Streckenführung in Frage kommen könnten.
Im Januar 2019 begann die Bahn mit der Reduzierung der zahlreichen Grobtrassen-Ideen. Dabei galt es auch 110 Vorschläge von Bürgern zu alternativen Trassenverläufen zu prüfen. Von den nun ausgewählten fünf Grobtrassen enthalten vier Ideen von Bürgern aus der Region.

Zum Beispiel haben die Bahnplaner den Vorschlag übernommen, eine Verknüpfungsstelle zwischen bestehender und neuer Strecke näher an die Autobahn zu legen – und weiter entfernt von Wohnbebauungen. Gleiches gilt für einen zusätzlichen Tunnelabschnitt östlich des Inns.
Auf der Karte wird deutlich, dass sich die fünf Varianten auf zwei grobe Streckenverläufe westlich und östlich von Rosenheim konzentrieren.
Die Varianten „Blau“ und „Violett“ verlaufen östlich von Rosenheim und knüpfen bei Niederaudorf an die bestehende Strecke im Inntal an. Im Norden verbinden sich beide Trassen entweder bei Großkarolinenfeld oder bei Aubenhausen. Im Süden unterscheiden sie sich durch die Tunnelanteile.
Drei weitere Varianten verlaufen westlich von Rosenheim. Dabei gibt es südlich und nördlich jeweils mehrere Möglichkeiten für Verknüpfungsstellen mit der bestehenden Strecke.

DB-Projektleiter Torsten Gruber: „Wir erwarten, dass viele Ängste und Sorgen weichen werden, weil wir in den kommenden Monaten die jetzt noch übrig gebliebenen Trassenverläufe viel konkreter planen und damit auch detaillierter mit der Region besprechen und bewerten können.“
Durch die Reduzierung auf fünf Einzelvarianten sind nun einige Ortschaften nicht mehr von den Trassenplanungen betroffen. In anderen Gemeindegebieten – besonders im südlichen Inntal – kommen ausschließlich Tunnelführungen vor.

Bestandsstreckenausbau möglich?

Eine Woche nach der Vorstellung der fünf Grobtrassenpläne seitens der DB, die von Landes-, Bundes- und Kommunalpolitik verschieden gut aufgenommen wurden, stellte der Bund Naturschutz zusammen mit dem „Brennerdialog“, dem Zusammenschluss von 16 Bürgerinitiativen der Region, in einer Pressekonferenz ein Gutachten der Vieregg-Rössler GmbH vor. Darin wird ein Aus- und Neubau im Rahmen der zweigleisigen Bestandsstrecke in den Mittelpunkt gestellt. Nach Meinung der Gutachter sollte diese Lösung entgegen den Prognosen der DB künftig auch gesteigerte Kapazitäten bewältigen können. Der Vorteil liege laut den Veranstaltern bei einem deutlich geringeren Neubauanteil, damit entsprechend niedrigeren Kosten und weniger Belastung der Anwohner.
Außerdem müsse ohnehin zuvorderst der Ausbau der Strecke Mühldorf – Rosenheim als eine Hauptstrecke für den Güterverkehr in Angriff genommen werden, sowie der Ausbau der Knotenpunkts Rosenheimer Bahnhof, der eine zentrale Rolle in der Bewältigung des zu erwartenden Güterverkehrs einnehme.
Die Gründe der Bahnkommission, den Aus- und Neubau der Bestandsstrecke nicht mehr in weitere Planungen einzubeziehen sind für die Gegner nicht stichhaltig. Sowohl die angenommene Kapazitätssteigerung sei viel zu hoch angenommen und daher als Ausschlussgrund nicht triftig, als auch die Geschwindigkeitsvorgaben nicht schlüssig, da die Gesamtzeit sich für Schnellzüge nur um ein- bis eineinhalb Minuten verlängern würde. Eine Zeit, die auf anderen Streckenabschnitten leicht wieder hereingeholt werden könne.

Die Deutsche Bahn konterte den Vorstoß der Initiative unter anderem damit, dass die angenommenen Parameter für die künftige Entwicklung des Transitverkehrs sehr wohl realistisch seien und daher die zweigleisige Bestandsstrecke die Kapazitäten eben nicht bewältigen könne.
In den kommenden eineinhalb Jahren werden die Bahnen die fünf Einzelvarianten vertieft planen. Hierbei wird beispielsweise die Höhenlage der Gleise ermittelt und der Trassenverlauf genauer festgelegt. Am Ende gilt es die Trasse auszuwählen, die am besten den unterschiedlichen Anforderungen gerecht wird. Dabei kommen Bewertungskriterien zum Einsatz, die gemeinsam mit den Bürgern aus der Region entwickelt wurden, so die DB. Im Fokus stehen die Auswirkungen auf Menschen und Umwelt sowie Technik und Verkehr. Landwirtschaft, Flächenverbrauch sowie Trinkwasser und Tourismus sind wesentliche Aspekte, die für viele Menschen vor Ort von zentraler Bedeutung sind. Außerdem wird ein Raumordnungsverfahren eingeleitet.

Die Initiative Brennerdialog und der Bund Naturschutz haben hingegen mittlerweile eine Petition an den Deutschen Bundestag eingereicht mit dem Ziel, dass bei einer allfälligen Abstimmung über den Trassenverlauf die Bestandsstrecke auf jeden Fall in die Abstimmung einfließen muss.
Für Diskussionen über die endgültige Trassenführung dürfte so auf Jahre hinaus gesorgt sein. Die Fertigstellung des Projektes ist für die späten 2030er-Jahre vorgesehen.

Informationen zu den Grobtrassenplänen von DB und ÖBB gibt es auf der Internetseite www.brennernordzulauf.eu oder auch im Infobüro in der Rosenheimer Salinstraße. Auch läuft derzeit eine Reihe von Infoveranstaltungen in der Region. Die Informationen zum Gutachten und den Schlüssen des Brennerdialog e.V. sind unter www.brennerdialog.de zu finden.

Related Posts

Comments are closed.

« »