100 Millionen waren dabei

06.08.2019 • Aktuelles, Kultur, Stadt Rosenheim

45 Jahre nach dem „Spiel ohne Grenzen“ mit dem Rosenheimer Sieg: Niederländische Teilnehmerstadt veranstaltet Ausstellung

Am 28. Mai 1974 war Rosenheim der große Sieger beim „Spiel ohne Grenzen“. Für die jüngeren Leser: Das „Spiel ohne Grenzen“ war ein Städtewettkampf zwischen europäischen Städten, der per Eurovision live im Fernsehen in großen Teilen des Kontinents übertragen wurde. Zu dieser Zeit zog er Abermillionen an die TV-Geräte, die sich an zahlreichen aufwendig inszenierten sportlichen Geschicklichkeitsspielen mit den Mannschaften der beteiligten Städte erfreuten.

Moderiert wurde der damalige Straßenfeger in Deutschland von Fernsehlegenden wie Frank Elstner, Erhard Keller oder Heribert Faßbender. Von 1965 bis 1980 war die Bundesrepublik Deutschland beteiligt, ARD und ZDF strahlten die Liveübertragungen für ein riesiges Publikum aus.
Nachdem die Rosenheimer Mannschaft zuvor in einer nationalen Ausscheidung beim Kräftemessen in Rheinhausen gewonnen und Ende April in der ersten internationalen Vorrunde gesiegt hatte, stand am 28. Mai die internationale Runde an. Wie zumeist hatte man dafür eine beeindruckende Kulisse gewählt, in diesem Fall das Gelände der Burg von Bouillon in Belgien.

Die Gegner waren die Teams aus Southport in England, Ilanz in der Schweiz, Briey in Frankreich, Cerveteri in Italien, der Veranstalterstadt Bouillon und von Wierden in den Niederlanden.

Über 100 Millionen Menschen schauten in den beteiligten Ländern via Fernsehen zu und drückten fest die Daumen. Am festesten wohl in Rosenheim, denn die Innstadt-Mannschaft konnte sich durchsetzen und in das Finale im niederländischen Leiden vorrücken.
Mit dabei war Resi Fent aus Pang. Die junge Skifahrerin war eine von etwa 120 Bewerberinnen und Bewerbern, die für Rosenheim mit dabei sein wollten. Sportlichkeit und Geschicklichkeit, ganz wie bei den Spielen des Wettbewerbs gefordert. So waren in der Rosenheimer Auswahl nicht ganz zufällig eine ganze Reihe von Leistungssportlern wie Bobfahrer, Trampolinspringerin Ingrid Schöner oder Olympiateilnehmer Richard Horner, der als Trainer der Herren fungierte, während Elvira Ankirchner die Damen betreute.

Letzten Endes war es ein Team aus zwei Damen und zehn Herren, die Rosenheim vertraten, ausgewählt aus den Bewerbern und je nach den Anforderungen der verschiedenen Spiele wechselweise eingesetzt.

Für die Teilnehmer war es ein großes Erlebnis, wie Resi Fent schildert: Man kam halt rum, was ja damals auch nicht so selbstverständlich war wie heute.“ Mit dabei im Tross waren auch immer Bürgermeister Michael Stöcker als Repräsentant der Stadt, die das „Spiel ohne Grenzen“ natürlich auch als willkommene Imagewerbung begrüßte. Den anfangs vorhandenen Skeptikern wurde durch das große Medienecho der Wind aus den Segeln genommen.
Nach den Siegen war dann im Finale im niederländischen Leiden der vierte Platz das Endergebnis. Dass es mit dem Finalsieg nicht klappte, war auch den Schiedsrichtern zu „verdanken“, so die Meinung der Rosenheimer Delegation. „Im Jokerspiel auf der rotierenden Scheibe beim Transport der Heringe hat unsere Mannschaft den Sieg verspielt, weil die beiden Spieler von den Gegnern aus der Schweiz und Italien regelwidrig behindert wurden“, waren sich die Trainer Richard Horner, Manfred Czermak und Herbert Jauer nach Ansicht der TV-Aufzeichnung jedenfalls sicher. Der Zorn darüber verflog jedoch recht schnell, war die Teilnahme am „Spiel ohne Grenzen“ insgesamt gesehen doch ein riesiger Erfolg – und bei allem ernsthaften und schweißtreibenden Training auch eine Mordsgaudi.
Noch bis zum 31. August läuft nun in der damaligen Teilnehmerstadt Wierden in den Niederlanden eine Ausstellung, in der die Bilder der Sendung aus Bouillon zu sehen sind und die Aufzeichnung der Sendung auf einem USB-Stick erworben werden kann. Auch gibt es zahlreiche Fotos und Andenken zu betrachten. Es ist für die ehemaligen Teilnehmer, mitgereiste Anhänger, aber auch die Kinder oder Enkelkinder eine Gelegenheit, diese Sendung zu sehen und noch mal neu zu erleben. Die Ausstellung befindet sich in dem Gebäude der Historische Kring Wierden, Appelhofdwarsstraat 2.
Informationen, allerdings auf Niederländisch, unter https://historischekringwierden.mijnstadmijndorp.nl/agenda/tentoonstelling-zeskamp-wierden-1974.  nu

 

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